Das Kulturdenkmal ist der während des Zweiten Weltkrieges für den öffentlichen Luftschutz in Tempelsee als Luftschutzbau errichtete so genannte "Elbebunker" (weil an der Elbestr gelegen)

Dieser Bunker zeichnet sich durch eine besondere Form aus, die eher an ein landwirtschaftliches Anwesen (zB Stall) erinnert als an einen der üblichen Bunker.

Trotz zahlreicher Nutzungen in der Nachkriegszeit hat der Bunker insgesamt als Bauwerk die Zeiten überstanden, und gibt auch noch einen guten Eindruck als zeitgeschichtliches Denkmal.

Das Rätsel der Hausnummer

Eine im Moment noch ungeklärte Frage ist die genaue Zuordnung, denn der so genannte "Luftschutzbau 7" wird mit der Anschrift "Brunnenweg 55" angegeben. Nach einer Recherche im Stadtarchiv gab es allerdings keine Änderung der Nummernsysteme in jener Zeit.

Historischer Hintergrund

Schon frühzeitig machte sich die deutsche Regierung Gedanken über den Luftschutz der Bevölkerung. während es zum direkten Kriegsbeginn noch sehr geringer Plätze in gesicherten Einrichtungen gab, führte die Ausweitung des Luftkrieges und die Bombardierung angrenzender europäischer Städte Warschau, Rotterdam und London im Sommer 1940 zu Überlegungen, wie die deutsche Bevölkerung vor Angriffen der Gegner geschützt werden können.

Adolf Hitler orderte am 10. Oktober 1940 das so genannte Luftschutz Sofortprogramm an, und einfach damit ein riesiges Bauprogramm von einmaligem Umfang. dieses Luftschutz Sofortprogramm wurde in zwei Bauabschnitten, einer ersten und einer zweiten Welle realisiert. Die erste Welle setzte direkt nach dem Führererlass im November 1940 ein, und führte zum Bau von über 800 Bunkern mit etwa 400.000 Schutzplätzen.

Technisch basierten diese Bunker aller auf der im November 1940 vom Reichsluftfahrtministerium herausgegebenen "Anweisung für den Bauformen sicherer Luftschutzräumen".

Auch der hier vorliegende Bunker gehört zu dieser ersten Welle, die 1941 durch eine geänderte und verstärkte Ausführung abgelöst wurde.

Der hier vorliegende Bunker wurde wohl 1941 errichtet, leider sind die Bauakten nicht mehr vorhanden. Ein Einfriedungsplan datiert auf den 21. Mai 1941.

Nach dem krieg

Nach Kriegsende wurde der Bunker – wie alle anderen Bunker auch – demilitarisiert, d.h. es wurden Öffnungen in den Bunker hineingesprengt. Diese Stellen sind auch heute noch gut zu sehen.

Nach dem Krieg wurde der Bunker zeitweise von der nahe gelegenen Evangelischen Lukasgemeinde Offenbach für Gottesdienste genutzt, wobei der Raum  "90 – 100 Personen fasste". Allerdings wurde der Aufenthalt als er unangenehm beschrieben: "einem Raum, der weder ausreichend Licht noch Luft hereinließ. Manches Gemeindeglied konnte nicht bis zum Ende des Gottesdienstes ausharren." (http://xn--lukas-und-matthusgemeinde-offenbach-k7c.de/lukas-chronik.html). Mit der Fertigstellung der neuen Kirche im Jahr 1950 dürfte auch die Nutzung des Bunkers für diesen Zweck geändert haben 

Viele Jahre verblieb der Bunker im Staatsbesitz, nach Auskunft eine Nachbarin wurde im Rahmen der Kubakrise die Fensteröffnungen wieder zubetoniert.

Das weitere Schicksal verliert sich in einer Zwangsversteigerung, der Nutzung durch diverse Anwendergruppen (offensichtlich Musikgruppe, ein SM-Studio usw).

Der Bunker ist heute als Kulturdenkmal geschützt (http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/view.pl?obj=95190&v=1). Die 
auf der Seite des Denkmalschutzes genannte Nutzung als Schule dürfte allerdings eine Verwechslung mit einem nahe gelegenen anderen Bunker sein. Dort wurden nach dem Krieg sehr viele Fenster hineingesprengt, und Bilder im Stadtarchiv Offenbach belegen für den anderen Bunker eine entsprechende Nutzung. Es ist kaum vorstellbar, dass der Bunker Brunnenweg 55 im historischen Zustand für diesen Zweck geeignet war.

Verschiedene Anläufe zu einer Umnutzung zu gewerblichen oder Wohnzwecken verliefen aufgrund der Problematik ein sinnvolles Konzept für dieses Denkmal zu entwickeln ergebnislos.

Das vorliegende Baukonzept ist unter Anregungen des Denkmalschutzes entstanden, und schafft eine sehr sinnvolle Symbiose zwischen einem historischen Denkmal und den Bedürfnissen modernen Wohnens. Trotzdem ist es natürlich wichtig, dass dieser Bestandteil der Kulturgeschichte Deutschlands erhalten bleibt, und für nachfolgende Generationen eine Erinnerung bilden kann.

In der Kubakrise verschlossene Fenster

In der Kubakrise verschlossene Fenster

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